Vom Sprung ins unbekannte Wasser

„Es ist unmöglich, ohne Vertrauen zu leben: Das hieße, in der schlimmsten aller Gefängniszellen, in sich selbst, eingesperrt zu sein.“ Søren Kierkegaard (dänischer Philosph)

Mit dem Vertrauen ist es so eine Sache. Wir tun uns schwer damit und machen es uns doch zu leicht. So lange du jemandem vertraust, ist die Wahrheit keinen Zweifler wert. Wer vertraut, blendet die Möglichkeit des Negativen, des Scheitern der vertrauten Person aus. Vertrauensbrüche beweisen diese These.

Der, dem wir vertrauen, sollte das wissen - dass man ihm vertraut, um ihm diese auferlegte Bürde bewusst zu machen. Immerhin lade ich einen Teil meiner Last, meiner Verantwortung auf ihn ab. Niemand hat das Recht, vom Anderen die Einhaltung dieses Vertrauens ohne Zustimmung zu fordern. Stummes, nicht ausgesprochenes Vertrauen hingegen ist eine versteckte Möglichkeit von Ausreden, ist eine verklemmte, wertlose Hoffnung. Vertrauen verlangt Zustimmung.

In Vertrauen steckt auch "trauen"

In dem Wort Vertrauen steckt auch „trauen“. Wenn ich jemandem vertraue, traue ich mir gleichzeitig zu, diesem Jemand einen Vorschuss an Kompetenz und Loyalität zuzugestehen - ohne handfestes Gegenpfand. Die Person soll sich so verhalten, wie ich es von ihr erwarte. Das tue ich, weil die Alternative – totale Kontrolle oder permanentes Misstrauen – für mich emotional und sozial nicht zu bewältigen ist. Mit meinem Vertrauen beschneide ich somit auch ein Teil ihrer Freiheit. Doch gleichzeitig gebe ich der Person auch Macht über mich. Indem ich ihr mein Vertrauen ausspreche, gehe ich auch ein Wagnis der Verletzlichkeit für uns beide ein.

Doch ist der Grund meines Vertrauens berechtigt? Schätze ich die Person richtig ein? Konnte ich alle Parameter und Informationen sammeln, um ein Vertrauen auszusprechen? Nein, konnte ich nicht. Das ist in der Philosophie auch nicht möglich, denn wenn mir alle Parameter bekannt sind, brauche ich kein Vertrauen mehr - dann habe ich ja Gewissheit.

Kein Vertrauen ohne Risiko

Die Gefahr, dass mein Vertrauen mehr fordert, als die Person zu leisten vermag, ist immer gegenwärtig. Wäre dann meine Enttäuschung gerechtfertigt?  Müsste ich in so einen Fall nicht vielmehr von mir selbst enttäuscht sein?

Der Mensch ist schwach und nicht frei von Fehlern. Von daher sollte enttäuschtes Vertrauen niemals zu ewige Verbitterung führen. Wer dennoch nicht verzeihen kann, ist sich seiner eigenen Verantwortung beim Aussprechen des Vertrauens nicht bewusst gewesen. Vertrauen bedeutet immer auch ein gewisses Restrisiko und ist zu vergleichen mit dem Sprung ins unbekannte Wasser. Es ist weniger als Wissen, aber deutlich mehr als Hoffnung.

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